
Wie hat eigentlich alles angefangen?
Mit Sport – genauer gesagt mit dem Laufen – habe ich tatsächlich erst mit 27 Jahren angefangen. Bis dahin war Bewegung eher etwas, das andere Menschen machten. Vor dem Schulsport habe ich mich regelmäßig gedrückt. Mein Spezialtrick: durch das Toilettenfenster verschwinden und die Sporthalle elegant meiden. Übergewichtig war ich zwar nicht, aber sportlich eben auch nicht gerade.
Eines Tages schleppte mich ein Freund zum Boxtraining beim BC Singen. Zum Aufwärmen ging es erst einmal auf die Laufbahn. Nach zwei Runden – also sagenhaften 800 Metern – war ich komplett erledigt. Die Kombination aus Nikotin, Alkohol und einer wilden Rockerzeit machte sich deutlich bemerkbar. Trotzdem zog ich das anschließende Zirkeltraining durch. Die Quittung kam am nächsten Tag: Muskelkater an Stellen, von denen ich bis dahin gar nicht wusste, dass dort Muskeln existieren.
Richtig los ging es dann 1986 mit der Anschaffung eines Hundes. So ein Vierbeiner hat leider kein Verständnis für Couch-Potatoes und fordert regelmäßig Bewegung ein. Also nahm ich an sogenannten Geländeläufen teil, die von Hundevereinen organisiert wurden. Gelaufen wurden 2.000 oder 5.000 Meter – natürlich mit Hund an der Leine. Der tierische Trainingspartner zahlte sich aus: 1992 wurde ich Deutscher Meister über 2.000 Meter und Vizemeister über 5.000 Meter.
1991 lernte ich über den Lauftreff Rielasingen die längeren Distanzen kennen. Im selben Jahr stand in Bräunlingen mein erster Marathon auf dem Programm. Inzwischen sind daraus über 20 Marathons geworden, darunter die großen Klassiker in New York, Berlin und Hamburg. Am meisten begeistert hat mich allerdings der Marathon von Neuf-Brisach in Frankreich, bei dem ich insgesamt sechs Mal gestartet bin. Leider gibt es diese Veranstaltung heute nicht mehr.
1995 wurde mir das reine Laufen etwas zu eintönig. Also meldete ich mich in Stockach zu einem Kurz-Triathlon an. Das Problem: Mit meinem Brustschwimmen war kein Blumentopf zu gewinnen. Also trat ich dem Schwimmverein bei und lernte Kraulen. 1996 kaufte ich mir schließlich ein richtiges Triathlonrad und nahm nahezu jeden Duathlon und Triathlon mit, den ich finden konnte.
Die Kehrseite meines Übereifers: Mein Immunsystem verabschiedete sich in den Keller und die Mandeln waren dauerhaft geschwollen. Im Januar 1997 mussten sie raus. Noch im Krankenhausbett liegend füllte ich die Anmeldung für den Ironman Roth aus. Vernünftig war das vermutlich nicht – aber motiviert war ich definitiv.
Der Frühling und Sommer 1997 bestanden aus unzähligen Kilometern im Wasser, auf dem Rad und in Laufschuhen. Umso größer war die Freude, als ich mich bei meinem allerersten Ironman direkt für den Ironman Hawaii qualifizierte.
1998 ließ ich es etwas ruhiger angehen. Doch 1999 wartete schon die nächste Herausforderung: der legendäre Trans Swiss Triathlon. Gestartet wurde mit 3,5 Kilometern Schwimmen im Lago Maggiore bei Locarno. Danach ging es 225 Kilometer mit dem Rad über den Gotthardpass bis zum Greifensee. Dort wurden die Laufschuhe geschnürt und die letzten 51 Kilometer bis zum Munot in Schaffhausen absolviert. Für diese landschaftlich wohl schönste Tortur meines Sportlerlebens wurde ich mit dem 24. Gesamtplatz von 1111 Teilnehmern belohnt.
Im Jahr 2000 wollte ich beim Ironman Zürich richtig angreifen. Doch zwei Wochen vor dem Rennen nahm mir ein Autofahrer die Vorfahrt. Mit etwa 50 km/h krachte ich in die Fahrzeugseite – die Triathlonsaison war damit schlagartig beendet. Wenigstens konnte ich im Herbst noch meinen bis dahin schnellsten Marathon laufen: 2:54:45 Stunden.
2001 stand dann der legendäre 100-Kilometer-Lauf von Biel auf dem Programm. Nach 9 Stunden und 22 Minuten kam ich endlich völlig kaputt ins Ziel. Verrückt? Vielleicht. Aber großartig war es trotzdem.
2002 konzentrierte ich mich voll auf den Ironman Germany. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: persönliche Bestzeit und erneut die Qualifikation für Hawaii.
Dort lief allerdings nicht alles nach Plan. Beim Marathon machte mir die hohe Luftfeuchtigkeit schwer zu schaffen – oder vielleicht hatte ich auch einfach etwas zu viel Gatorade getrunken. Jedenfalls sammelte mein Körper Wasser wie ein Schwamm. Arme und Beine schwollen an, die Leistung war weg, und nach einigen Kilometern spielte ich ernsthaft mit dem Gedanken aufzugeben.
Aber aufgeben? Nicht auf Hawaii!
Dort zählt am Ende nur eines: Finisher werden. Und genau das wollte ich unbedingt schaffen.

Reihenfolge Ironman bzw. Langdistanz:
Ironman Roth 1997
Ironman Hawaii 1997
Trans Swiss Triathlon CH 1999
Ironman Frankfurt 2002
Ironman Hawaii 2002
Norseman 2005
Ironman Lanzarote 2008, 2009, 2010, 2011, 2012, 2013
Ironman Florida 2014
Challenge Heilbronn 2015 (Mitteldistanz)

Bestzeiten:
- 3000 m – 0:10:11 h (1996 )
- 5000 m – 0:17:23 h (1995)
- 10 km – 0:35:56 h (1995)
- 21,1 km – 1:19:54 h (1995)
- 25 km – 1:49:08 h (1992)
- 42,2 km – 2:54:45 h (2000)
- 100 km – 9:22:46 h (2001)
- Ironman – 9:49:03 h (2002)
