NORSEMAN

Am 6. August 2005 fand die 3. Ausgabe des NORSEMAN statt. Dies ist im wahrsten Sinne des Wortes ein XTREME TRIATHLON.
Die Distanzen sind normalerweise identisch mit der eines Ironman. Also 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und zum Schluss 42,2 km Laufen. Da das Wasser am RaceDay zu kalt war, wurde der Schwimmaustritt verlegt, womit eine Verlängerung des Radkurses auf 195 km erfolgte. Als grösste Herausforderung ist das Höhenprofil anzusehen, welches beim Radsplit 3500 HM und beim Marathon 1800 HM beträgt. Also zusammen ca. 5300 HM. Wie heißt es zutreffend auf der Website des Veranstalters: „a normal ironman is like a walk in a park“. Das Rennen ging quer durch 3 Kommunen (Hordaland, Buskerud, Telemark). mit dem Ziel auf dem Gaustatoppen, dem höchsten Berg in Südnorwegen. Durch die anhaltende Schlechtwetterfront war der Gipfel in Nebel gehüllt, was den Aufstieg diesmal unmöglich machte. Lediglich der Schnellste (Björn Andersson) durfte hinauflaufen. Alle anderen mussten bei KM 37,5 (1000 HM) wieder umdrehen, und das Ziel irgendwo auf der Strasse unspektakulär durchlaufen. Warum wollte ich bei diesem Rennen dabei sein? Ausschlaggebend war für mich der Artikel im TRIATHLON in der Dezember Ausgabe. Fasziniert von dem Finisher Bild auf dem Gaustatoppen mit der Fjord Landschaft im Hintergrund hatte ich schon Blut geleckt. Respekt hatte ich eigentlich keinen vor der Distanz, auch nicht vor den Höhenmetern, da ich 1999 beim TransSwiss Triathlon eine ähnliche Distanz (3,5/225/51km – 3000 HM) mit dem 24.Gesamtplatz belegt hatte. Und schlimmer wie der Ironman auf Hawaii kann es auch nicht sein, da mir kühle Langstreckenrennen doch eher liegen. Somit habe ich mich gleich angemeldet. Das Ziel ist der Weg. Oder der Weg ist das Ziel ?
DSC06804-crew
CREW
Das wichtigste war , dass die Familie mich unterstützt, da ohne Support Crew das ganze Unternehmen gar nicht möglich gewesen wäre. Es fing damit an, dass mein Rad an den neuen 1.Wechselpunkt gebracht werden musste, während ich auf dem Schiff zum Schwimmstart mitten im Eidfjord geschippert wurde. Eine perfekt eingerichtete Wechselzone erwartete mich dann nach dem Schwimmende. Meine Mädels hatten alles im Griff. Nun mussten sie meine nassen Klamotten einpacken, mir hinterherdüsen um mir Getränke , Riegel und eine Windjacke auf dem ersten Gipfel und in weiteren regelmässigen Abständen zu reichen. Vom Veranstalter wurden lediglich beim Laufpart einige Verpflegungsposten eingerichtet. Beim 2.Wechselpunkt in Austbygda hatte meine Crew dann wieder die Aufgabe meine Laufbekleidung bereitzulegen und mein Rad im Wohnmobil zu verstauen. Bis zum ersten Verpflegungspunkt bei km 7 und 15 begleiteten sie mich noch, um dann beim letzten Checkpoint bei km 37,5 bereitzustehen, wo mich dann eine der Mädels auf den Gipfel begleiten sollte
DSC06376-swim1 DSC06378-swim2

SWIM

Aquashpere stellte mir einen Ironman Stealth Neopren zur Verfügung. Durch diesen und in Verbindung mit verbessertem bzw. längerem Armdurchzug (Danke an Nicky Lange) bin ich jetzt ca. 5-6 Minuten schneller auf 3,8km als in der letzten langen Saison im Jahr 2002. Im Ironman Stealth fühle ich mich sauwohl. Er ist sehr flexibel im Schulterbereich, was eine Ermüdung der Schultermuskulatur hinauszögert. Im Juli 2005 lag meine Bestzeit bei 1:01h im Schwimmbad auf der 50m Bahn mit Neo. Beim Norseman erzielte ich meine bisherige Bestzeit im freien Gewässer mit 1:03:56h. Die Strecke dort ist GPS vermessen. Das Wasser war relativ ruhig. Das Schwimmen fand im Eidfjord statt, welcher mit dem Meer verbunden ist. Ein leichter Salzgeschmack störte aber nicht weiter. Ob es auch Quallen in dem Gewässer gab (wie sonst überall in den Fjorden), darüber will ich lieber nicht nachdenken. Durch die schlechten Wetterbedingungen an den Tagen vor dem Race ging die Wassertemperatur im Fjord am vorgesehenen Schwimmaustritt in Eidfjord auf 13,5 Grad herunter, da an dieser Stelle ein kalter Fluss vom Gebirge ein strömte. Somit wäre eine Reduzierung der Schwimmstrecke angesagt gewesen. Kurzfristig fand sich eine Autofähre, welche alle an einen entfernteren Austritt schipperte, wo es 16 Grad haben sollte. Der Start erfolgte auf einer geöffneten Seitenklappe des Kutters aus, von ca. 2-3m Höhe. Das Signalhorn des Schiffes gab um 4.45 Uhr das erlösende Startsignal. Das Schwimmende erfolgte in Brimnes mit einem spektakulären Austritt über Felsen, wie man auf dem Bild sieht. Ohne helfende Hände wäre ich wohl nicht heraufgekommen, denn Krämpfe in den Beinen deuteten sich bei jeder falschen Bewegung an. Gegen die Kälte habe ich mich mit einer zweiten Badekappe aus Silikon (ebenfalls von Aquashpere) geschützt. Zugelassen waren auch Neopren Füsslinge und Hauben.

felt
BIKE
Als Nachteil sah ich es eigentlich nicht, dass der Radkurs durch die Verlegung der 1. Wechselzone etwa 10km länger sein sollte. Somit hatte ich länger Zeit zum Einrollen entlang des Eidfjords und mir blieb mehr Zeit um mich mental auf die Strecke einzustellen. Wäre es beim ursprünglichen Schwimmfinish geblieben, wäre sofort „Kette links“ angesagt gewesen, um den Anstieg von 0 auf 1250 m.ü.M. auf der „tourist road“ (einer ausgedienten Bergstrasse) mit einer Steigung von etwa 7-8% hinauf nach Dyranut zu bewältigen. Dichter Nebel und Kälte empfing alle oben. Nach kurzem Stop bei meiner Crew, welche mit Windjacke, PowerBar Riegel und frisch gefüllter Trinkflasche bereitstand, ging es mit bis zu 82km/h max. Speed auf dem Hardanger Mountain Plateau etwa 50km wellig hinab nach Geilo. Nach bisherigen 100km folgte nun der härteste Teil von vier aufeinander folgenden Hügeln, mit jeweils ca. 7% Steigung. Bergab dafür immer sanfter und länger. Lediglich der letzte hatte es noch mal in sich, da er mit 10% Steigung wieder hinauf auf 1250 m.ü.M. fast ohne Serpentinen noch einmal alles forderte. Zum Glück hatte ich die passende Bergübersetzung (39 / 27) montiert. Ein lockeres Kurbeln war damit gerade noch möglich.
Ablenkung und Kurzweil brachten die fantastischen Eindrücke der dauernd wechselnden Landschaft. Stellenweise regnete es auf der letzten Abfahrt, was eine Aero Position bei schlechter Strasse zum Kamikaze Race gemacht hätte. Dies lies ich aber lieber bleiben, da es ja eigentlich nur um ein T-Shirt als Preis ging !!!!!
Nach meinem Tacho erreichte ich nach 195 KM und einem 28er Schnitt, nach 7.00 Stunden ziemlich ausgekühlt und nass die 2.Wechselzone in Austbygde am TinnsjØen See. Mit meiner erreichten Zeit und meiner momentanen Platzierung war ich, wie auch nach dem Schwimmen sehr zufrieden. Die 10 Bodenseeumrundungen im Training hatten sich doch gelohnt.

RUN
DSC06409-run1 DSC06416-run2
Der Lauf über die 42,2km fing eigentlich gut an. Eine optimale Lauftemperatur bei 12-14 Grad und ein gutes Gefühl in den Beinen, ließ mich anfangs zu einem 5 er Schnitt verleiten. Der Puls lag bei 130 Schlägen, was mich zuversichtlich machte. Der erste Verpflegungspunkt bei KM 7 war schnell erreicht und meine Crew stand schon mit Kamera und Trinkflasche bereit. Ohne viel Zeit zu verlieren ging es gleich weiter auf fast ebener Straße am TinnsjØen See entlang. KM 15 brachte schließlich die Ernüchterung: Die Beine hatten nicht mehr die anfängliche Frische, der Schritt wurde kürzer, die Geschwindigkeit geringer und der Puls ging auf 125 herunter. Nun fing es auch noch an zu regnen, was gleichzeitig mit Temperatursturz belohnt wurde. Zum Glück standen meine Mädels ein letztes Mal bereit um mir meine Windjacke zu reichen, welche ich dankbar annahm. Bei KM 20 sah ich dann zum erstenmal den Gaustatoppen.
Aber….. der Gipfel war nicht zu sehen. Dichte Nebelschwaden umhüllten die obere Hälfte und ich ahnte schon was das zu bedeuten hat. Der nächste Verpflegungsposten bei KM 25 war gleichzeitig das Ende der „Flachetappe“. Nun ging es auf nicht endenwollenden Serpentinen mit 8-10% Steigung auf geteerter Straße hinauf.  An einen Laufschritt war nicht mehr zu denken. Schnelles Gehen war angenehmer, was auch von meinen Verfolgern sicher ebenso empfunden wurde, was auf die gleichbleibenden Abstände schließen ließ. Als bei KM 32 der Chef Organisator auf der Straße stand, um allen mitzuteilen, dass der Gipfel zu ist und das neue Ziel hier an diesem Punkt bei ihm sei, nachdem man bei KM 37,5 den letzten Checkpoint/Wendepunkt erreicht hat, – war mir klar, dass ich jetzt alle Reserven mobilisieren muss, um noch eine gute Platzierung zu erreichen. Kein Meter wurde ab jetzt noch gegangen – nur noch rennen, rennen. Mir schmerzten zwar die Füße und Beine wie verrückt, aber da musste ich durch. Der innere Schweinehund war besiegt. Schade war dann, dass das Ziel völlig unspektakulär ohne Zielbanner irgendwo auf der Straße war. Aber alles in allem war es ein tolles Rennen – mit keinem anderen Triathlon vergleichbar. Mit der Gesamtzeit von 13:01h war ich hochzufrieden. Der 30. Gesamtplatz von 139 Finnischer (151 Starter) und der 1. Platz in meiner Altersklasse M45 waren die Belohnung für die vielen Entbehrungen in der Saison